Jacques Chambrun im letzten Adressbuch von Stefan Zweig 1940-1942. Informationen von Elke Rehder

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Jacques Chambrun im letzten Adressbuch von Stefan Zweig 1940-1942

(* 1906 in New York, † 1976 ebenda - ungeprüfte Daten) war von 1930 bis Anfang der 1970er Jahre in New York als Literaturagent tätig. 1976 soll er bei einem Autounfall ums Leben gekommen sein. Als Literaturagent unterhielt er seit 1933 ein Büro in 745 Fifth Avenue in New York City.

Jacques Chambrun stand mit mehreren Autoren in Verbindung, die zum Freundeskreis von Stefan Zweig zählten:

In einem Brief vom 15. Januar 1934 an den New Yorker Buchillustrator Rockwell Kent teilt Jacques Chambrun einige Namen seiner Klienten mit: "Let me mention some of the more important authors I now represent. They include H. G. Wells, Emil Ludwig, Rupert Hughes, Owen Johnson, Irvin S. Cobb, Montague Glass, William McFee, Thomas Burke, Romain Rolland and André Maurois." Chambrun ist 1934 unter anderem für das New Yorker Magazin "Esquire" als Vermittler von Textbeiträgen tätig. 1941 kommt der Name "Stefan Zweig" hinzu. Am 8. Juli 1941 schreibt Chambrun in einem Brief an Rockwell Kent, dass er in Geschäftsverbindung mit Mr. DeWitt Wallace, dem Herausgeber von Reader's Digest steht und weiter: "I have already placed in this same series contributions by Oliver St. John Gogarty, Stefan Zweig and A. J. Cronin ...". (Quelle: Smithsonian Archives of American Art)

Aus dem Briefkopf des Geschäftsbogens ist zu erkennen, dass Chambruns Agentur 1941 deutlich expandierte. Für die Jacques Chambrun, Inc. werden im Briefkopf die Namen der Mitarbeiter und deren Zuständigkeitsbereiche genannt: Hewitt H. Howland, Books / D. W. Hall, Editorial / Abraham Lehr, Inc., Hollywood / Brent Kenyon, England.

Jacques Chambrun war als Literaturagent auch für Freunde und Bekannte von Stefan Zweig aktiv. Die Namen Emil Ludwig und Romain Rolland wurden bereits erwähnt. Ferner stand Chambrun in Kontakt mit:

Hermann Kesten in Korrespondenz in New York vom 14.05.1946 bis 04.06.1946. Zwei Briefe in Münchner Stadtbibliothek / Monacensia; Nachl. Hermann Kesten, Signatur: HK B 2590)

Lion Feuchtwanger. Dokumente in Sachen Chambrun in der University of Southern California, Feuchtwanger Memorial Library. Dort im Karton G7b und im Ordner 187 (Jacques Chambrun, Inc. re: $15,000 payment Dec 1942)

Alma Mahler und Franz Werfel, 1941-1944. Korrespondenz mit Chambrun in der University of Pennsylvania Library.

Vercors, eigentlich Jean Marcel Bruller (* 1902 in Paris, † 1991), war ein französischer Schriftsteller. In der Bibliothèque littéraire Jacques Doucet in Paris ist unter der Signatur Ms 46977 ein zweiseitiger, undatierter Brief von Stefan Zweig an Vercors zu finden. Vercors war im Zweiten Weltkrieg Mitglied der Résistance. Unter der Signatur Ms 46510 findet man aber auch einen Brief von Jacques Chambrun vom 5. Februar 1930 aus New York an Vercors.

Auswahl von Quellen zu weiteren Autoren, die mit Jacques Chambrun in Verbindung standen:

Norman Mailer: The University of Texas at Austin, Harry Ransom Center. "Jacques Chambrun, Inc."  unter Signatur 525.22, 528.26, 1008, 1015

Theodore Dreiser und Helen Dreiser: Korrespondenz mit Jacques Chambrun im Bestand der University of Pennsylvania Libraries, Van Pelt Library in Philadelphia.

W. Somerset Maugham: Klage gegen Chambrun wegen Veruntreuung von Honoraren mit Gerichtsurteil des New York Supreme Court Appellate Division, First Department - Chambrun, Inc. 

Marilyn Monroe: Der Schriftsteller Ben Hecht war 1954 als Ghostwriter mit dem Schreiben von Marilyn Monroe's Memoiren beschäftigt. Sein Agent Jacques Chambrun entwendete einen pikanten Teil von Ben Hechts Manuskript, veränderte den Text dramatisch und verkaufte es an die Londoner Sonntagszeitung Empire News.

Als Literaturagent von Grace Matalious wurde Jacques Chambrun mit dem Buch "Peyton Place" reich. Zusammen mit Desmond Hall und George Waller gründete er den Verlag The Girlfriend-The Boyfriend Corp. ebenfalls unter der Adresse 745 Fith Ave. in New York. 1956 gab er das Teenager-Magazin "16" für Jugendliche heraus. Chambrun und seine Partner schrieben unter dem Pseudonym "Georgia Winters".

Nebenbei arbeitete Chambrun weiter als Literaturagent. Am 20. April 1966 korrespondierte er noch mit dem österreichischen Literaturagenten Erich Linder (* 1924, † 1983), der hauptsächlich in Italien aktiv war. Lindner vertrat Autoren wie Ezra Pound, Thomas Mann, James Joyce u.a. (Quelle: Fondazione Arnoldo e Alberto Mondadori in Mailand)

Den folgenden Artikel von Jessica Weisberg im "The New Yorker" kann ich Ihnen unbedingt empfehlen: Chambrun the New York-based literary agent 

 

Stefan Zweig und die Zusammenarbeit mit Jacques Chambrun

Am Samstag, den 25. Mai 1940 notiert Stefan Zweig in seinem Tagebuch: "Das Netz zieht sich zusammen, ich schätze es auf eine Woche höchstens, daß die Armee, soweit sie sich zu retten vermag, nach England zurückkehrt. Der Ernst der Situation wird hier von den Blättern nicht verleugnet, ich zweifle nur ob ihn das Publicum so begreift wie wir, die wir Zeitungen zu lesen schon 1914 gelernt haben. Ich leide schwer unter meiner vorausdenkenden Phantasie; ich sehe jetzt schon in zuckenden Umrissen die Nachkriegsepoche hier in England mit ihrer ausbrechenden Erbitterung, die sich - abermals - gegen uns kehren wird, sei es in der einen Form als Ausländer oder der anderen als Juden. Wir müssen nicht nur mit abermaliger Verstoßung, mit dem letzten Vermögensverlust rechnen sondern auch wieder mit Haß. Aber wohin? Momentan habe ich keine Kraft, keinen Mut, noch einmal zu packen, zu reisen, ehe man nicht weiß, wohin. Denn wo ist das Wo, das einem ruhigen Lebensraum garantiert, wirkliches Gesichertsein für ein Jahrzehnt. Wenn ich nur die Biografie fertig bringen könnte, dann wäre wieder etwas Atemraum gewonnen. Jedesfalls den Wilson geschrieben, um die Sternstunden abzuschließen und die Kleinigkeit noch nachts für Chambrun." (Quelle: Stefan Zweig: Tagebücher. Frankfurt, Fischer Taschenbuchverlag, November 1988, S. 456-457)

Stefan Zweig schreibt am 25. Mai 1940 "den Wilson geschrieben, um die Sternstunden abzuschließen". Fünf Titel für den Sammelband Sternstunden der Menschheit waren bereits 1927 in der Insel-Bücherei erschienen. Die erste englischsprachige Ausgabe erschien 1940 unter dem Titel The Tide of Fortune: Twelve Historical Miniatures. Die englische Ausgabe enthält als Erstveröffentlichung Zweigs Beitrag Wilson's Failure (Wilson versagt). Es geht um das Versagen des US-amerikanischen Präsidenten 1919 beim Friedensvertrag von Versailles. Die von Zweig in seinem Tagebuch genannte "Kleinigkeit noch nachts für Chambrun" wird von ihm nicht näher beschrieben. Vermutlich handelt es sich um das 1940 geschriebene Manuskript mit der englischsprachigen Überschrift "A great lesson from a great man" und dem danach in deutscher Sprache geschriebenen Text zu Auguste Rodin. Eine Abbildung dieses Manuskriptes sehen Sie auf der Seite 2 im Zweigheit 14 des Stefan Zweig Centre Salzburg. Zweig hatte bereits 1937 von London aus einen vierseitigen Beitrag mit der Überschrift "Auguste Rodin" in dem Sammelband Begegnungen mit Menschen, Büchern, Städten im Verlag von Reichner in Wien veröffentlichen lassen. In dem 1940 geschriebenen Manuskript schildert Zweig seinen Eindruck vom Besuch im Atelier des am 17. November 1917 in Meudon verstorbenen französischen Bildhauers Auguste Rodin. Dieser Text wurde im August 1940 erstmals in englischer Sprache in der monatlich erscheinenden Zeitschrift The Catholic World veröffentlicht. Die katholische Zeitschrift wird herausgegeben von der Missionary Society of St. Paul the Apostle, 401 West 59 St. Dies ist die Adresse der Paulist Press in New York City. Die Paulisten oder Missionspriester vom hl. Paulus sind eine katholische Ordensgemeinschaft, die im Jahre 1858 in New York von Isaac Thomas Hecker gegründet wurde.

Gleichzeitig im August 1940 erscheint bei The Reader's Digest ein gekürzter Text auf den Seiten 26-28 unter der Überschrift "A Lesson from Rodin - Condensed from the Catholic World - Stefan Zweig." In der Kurzbiographie auf S. 26 ist unter anderem zu lesen: "... he has helped many young writers toward recognition. Now exiled from his native land, Mr. Zweig lives in England..." Bis jetzt ist es ein Rätsel, warum die Erstveröffentlichung des vollständigen Textes in der katholischen Zeitschrift der Missionspriester vom hl. Paulus erschien und der Reader's Digest nur eine gekürzte Fassung abdrucken durfte. Zweigs New Yorker Literaturagent Jacques Chambrun hatte keine Beziehungen zu den Paulisten. Chambrun hatte Geschäftsbeziehungen zum Reader's Digest. Vielleicht waren seine Beziehungen zum Reader's Digest und insbesondere zum Verleger William Roy DeWitt Wallace (1889–1981) 1940 noch nicht so gefestigt wie 1941, wo Stefan Zweig die englischsprachige Erstausgabe von What Money Means to Me und Never Hesitate! bei Reader's Digest veröffentlicht.

Angebot der englischsprachigen Ausgaben

Die nachfolgenden englischsprachigen Erstausgaben von Stefan Zweig werden im Juli 1941 bei The Reader's Digest in den USA auf den Seiten 39 bis 42 veröffentlicht. Die Titel der beiden Beiträge in der Rubrik Profit by My Experience lauten "What Money Means to Me" und "Never Hesitate!" Die Ausgabe für Großbritannien erschien einen Monat später im August 1941 bei The Reader's Digest in London (S. 7-10). Im Oktober 1943 folgte eine schwedische Ausgabe in Det Bästa ur Reader's Digest in Stockholm, im Februar 1946 folgte eine brasilianische in Selecções do Reader's Digest in Rio de Janeiro, im Oktober 1946 eine japanische in Reedahzu Daijesuto in Tokio und im Juli 1956 eine französische in Sélection du Reader's Digest in Paris.


Stefan Zweig Rodin, 1940     Stefan Zweig: A Lesson from Rodin

Englische Ausgabe mit stärkeren Gebrauchsspuren.  ARTIKEL-NR. A008410 Preis 39,00 € inkl. MwSt., zzgl. Versand DE 5 €, EU 15 €. Lieferzeit 3-5 Tage. Zahlungsarten: PayPal / Überweisung.

Stefan Zweig: What Money Means to Me, Never Hesitate! 1941     Stefan Zweig: What Money Means to Me, 1941     Never Hseitate by Stefan Zweig 1941

Englische Ausgabe mit stärkeren Gebrauchsspuren. ARTIKEL-NR. A008411 Preis 39,00 € inkl. MwSt., zzgl. Versand DE 5 €, EU 15 €. Lieferzeit 3-5 Tage. Zahlungsarten: PayPal / Überweisung.

 

Angebot der deutschsprachigen Ausgabe

Die nachfolgende deutschsprachige Ausgabe erschien im Oktober 1956 im Verlag DAS BESTE G.m.b.H. in Stuttgart (Jahrgang 9, Nummer 10, S. 83-87). Die beiden Texte in der Rubrik Was mich das Leben lehrte tragen die Überschriften "I. Vom Wert des Geldes" und "II. Zögere nie!". Der Name des Übersetzers wurde nicht genannt. Stefan Zweigs Beitrag "Vom Wert des Geldes" finden Sie im Zweigheft 8 des Stefan Zweig Centre Salzburg als Neuübersetzung unter dem Titel "Was Geld für mich bedeutet" auf Seite 19. Den Beitrag "Zögere nie!" finden Sie dort ebenfalls als Neuübersetzung unter der Überschrift "Zögern Sie nie".

Stefan Zweig: Vom Wert des Geldes, Zügere nie! Das Beste aus Readers Digest 1956

Abgebildet sind die Exemplare aus meinem Antiquariatsangebot. Zustand: Gebraucht, Rücken beschädigt, Seiten etwas fleckig, sonst noch ordentlich. ARTIKEL-NR. A008409. Preis 22,00 € inkl. MwSt., zzgl. Versand DE 5 €, EU 15 €. Lieferzeit 3-5 Tage. Zahlungsarten: PayPal / Überweisung.

Stefan Zweig: Vom Wert des Geldes 1941 und 1956     Stefan Zweig: Zögere nie! in Das Beste aus Reader's Digest 1956
Beispielseiten aus meinem antiquarischen Buchangebot

 


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